BENQ W5700: 4k-Heimkino-Beamer Hands-On

Nachdem mein Panasonic AT6000E das zeitliche gesegnet hat, musste wieder ein Bildgenerator ins Wohnzimmer. Nach etwas Recherche ist es ein Benq W5700 geworden.

Benq W5700 Beamer
Benq W5700: 4K Beamer mit 100% DCI-Farbraum

Anders als der bisherige Panasonic-Beamer ist der W5700 ein DLP-Gerät: Digital Light Processing wurde von Texas Instruments (TI) entwickelt und basiert auf Mikrospiegeln und einem Farbrad. Unter Umständen kann es dadurch dazu kommen, dass man einen „Regenbogeneffekt“ sieht. Je nachdem wie nervig man diesen empfindet, kann es ein Showstopper sein.

Benq bewirbt den W5700 mit 4K UHD – die native Auflösung des DLP-Chips liegt bei Full-HD mit 1.920 x 1.080 Pixel, die mittels Aktuator-Glas, von Texas Instruments „XPR“ Technologie genannt, vervierfacht wird. Als Besonderheit wird der DCI-Farbraum zu 100 Prozent abgedeckt, auch wenn dabei Helligkeit verloren geht. Um die volle Auflösung sowie den kompletten Farbraum zu nutzen, ist ein entsprechendes HDMI-Kabel nötig. Durch den meist vorhandene Abstand zwischen Beamer und AV-Receiver (in meinem Setup ein Marantz NR1710) kommt das Kabel mit 7,5m aus der Spezifikation heraus – ob es mit 4k (UHD) bei 60 Fps und HDR10 reibungslos funktioniert, ist nicht sicher garantiert.

Anschlüsse

Benq stattet den W5700-Beamer mit allen relevanten Anschlüssen aus:

  • 2x HDMI 2.0b mit HDCP 2.2 (für 4K/60Fps)
  • USB-A mit Powersupply und USB 3.0 Media-Reader
  • USB Mini-B für Firmware-Upgrades
  • RJ45-LAN (10/100 Mbit/s)
  • 3,5mm DC 12V Trigger

Drahtlose Verbindungen werden ab Werk nicht unterstützt, hier benötigt man extra Adapter um z.B. Google Chromecast zu nutzen. Allerdings wird so eine Funktion bei einem Heimkino-Beamer auch eher selten genutzt.

Optik

Lensshift-Einstellungen am W5700

Anders als viele andere DLP-Beamer ist der Benq W5700 recht flexibel bei der Aufstellung. Sowohl ein vertikaler (± 60%) als auch ein horizontaler (± 23%) Lens-Shift bringen für die meisten Szenarien genug Spielraum, auch wenn es natürlich von Vorteil ist, wenn das Gerät mittig vor der Leinwand platziert ist. Leider ist weder der Lens-Shift noch der Zoom bzw. Fokus Motor-betrieben, sodass man hier per Hand Feingefühl zeigen muss, die richtigen Einstellungen zu finden.

Der Zoom-Faktor liegt bei 1,6x, sodass eine 100″-Diagonale aus 3 Metern Abstand erreicht werden kann. Die maximale Diagonale liegt bei 200 Zoll, darüber lässt die Schärfe laut Benq nach. Ebenso leidet bei großen Diagonalen die Helligkeit bzw. der Kontrast.

Die folgenden Bilder sind mit einem HTPC (bzw. FireTV Stick 4k) als Zuspieler entstanden – auch hier kommt es darauf an, dass die passende Auflösung & Bildwiederholrate geliefert wird.

Farbraum

Was bei Beamer (oder allgemein Bildschirmen, Fernsehern und anderen bilderzeugenden Geräten) wichtig ist: die Farbtreue. Schließlich will man das Material so wiedergegeben bekommen, wie es sich der Ersteller gedacht hat. Der W5700 deckt 100% DCI-P3 und Rec.709 ab – liefert also sehr natürliche Farben und verfälscht die Ausgabe nicht. Ein Nachteil der Verwendung des erweiterten Farbraums ist, das dabei etwas Helligkeit verloren geht – vom Heimkinoraum wird daher empfohlen, darauf zu verzichten, auch wenn dann etwas der Farbtreue verloren geht.

Wichtig ist auch, dass das HDMI-Kabel die benötigte Bandbreite liefert, ansonsten kann es dazu kommen, dass das Bild aussetzt oder zur Hälfte schwarz bleibt. Bei deutlich zu geringer Bandbreite kann es auch zu Farbverfälschungen kommen (das passierte in meinem Setup auch mit einem Receiver, der zwar 4K, aber nicht die erforderliche Bandbreite per HDMI bereitstellen konnte).

Lautstärke

Benq W5700: 120mm Lüfter sorgt dafür, dass die Lampe nicht überhitzt

Ein Beamer basiert in den meisten Fällen auf einer starken Lichtquelle und benötigt daher eine aktive Belüftung – beim Benq W5700 liegt die Lautheite bei 32 dB(A) im Standard-Modus und 26 dB(A) im Eco-Modus. Dazu kommt das Geräusch der Rotation des Farbrades sowie die Bewegung des Pixel-Shifts – letzterer kann in einem Silent-Modus abgeschaltet werden, dafür wird die Auflösung dann auf 1080p (1.920×1.080 Pixel) limitiert.

Zumindest im Eco-Modus ist das Geräusch leise genug, um den Filmgenuss in den meisten Szenen nicht zu stören. Wer den Standard-Modus der Lampe nutzen will, sollte über eine Hushbox für den Benq W5700 nachdenken. Mit einer solchen Box, die den kompletten Beamer einschließt und direkte Schallwege unterbindet, kann die Lautstärke deutlich gesenkt werden – der Vorteil: man kann die Lampe auf voller Leistung betreiben und bekommt ein entsprechend helleres Bild.

(Vorläufiges) Fazit

Am meisten vermisse ich am Panasonic AT6000 die „Laufruhe“: technisch bedingt gab es nur die Lüfter für die Lampe. Dazu kamen Gimmicks wie der Motor-betriebene Zoom, mit dem man problemlos das Bild nachjustieren konnte.

Der Benq W5700 dagegen liefert deutlich bessere Farben und mehr Schärfe – gerade bei Text bzw. dem Windows-Desktop des HTPCs merkt man es extrem, Filme profitieren davon ebenfalls. Für die doch etwas nervenden Geräusche plane ich den Bau einer Hushbox für den W5700 – um dann auch die volle Lichtleistung der Lampe in jeder Situation nutzen zu können.

Was auch hilfreich war: ich habe die Heimkinoraum-Edition gekauft. Dadurch kam das Gerät mit sinnvollen Voreinstellungen nach hause, sodass ich nicht mehrere Abende mit den Einstellungen verbringen musste.

Alles in allem ist der Benq W5700 ein passendes Gerät für mein Heimkino, was mir hoffentlich viele Jahre lang Filmgenuß bescheren wird.