HP Microserver Gen8: Alternativen als NAS in 2023?

Eine Zeitlang waren HP Microserver für den Betrieb als NAS sehr beliebt, gerade mit FreeNAS bzw. dann TrueNAS boten sich die kleinen Würfel an: bis zu 4 Kerne (bei den günstigen Modell durch Austausch der CPU), bis 16 GB RAM und vier Slots für 3,5″-HDDs, garniert mit der Möglichkeit mittels iLo („integrated Lights-Out“) remote gesteuert zu werden – zusammen mit der erträglichen Lautstärke ideal, um Daten zu speichern.

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Ein NAS für zwei Festplatten – wie es sich die KI Midjourney vorstellt.

Zwar gibt es gebrauchte Microserver Gen8 noch bei Ebay für 250 – 350 Euro (abhängig von der Ausstattung natürlich auch teurer, bei Ebay), dem aktuellen Stand der Technik entsprechen diese Geräte natürlich nicht mehr: die CPUs entstammen der Ivy Bridge-Generation von Intel, die vor gut 10 Jahren einstellt wurde, gerade in Sachen Energie-Effizienz hat sich seitdem einiges getan.

HP hat zwar eine neuere Version des Microservers gebracht (Gen10 / Gen10 Plus), diese sind jedoch in einem komplett anderen Preisbereich um 800,- Euro aufwärts unterwegs: Hewlett Packard Enterprise ProLiant ab € 828,94 . Eine Alternative zu Consumer-NAS-Systemen z.B. von Synology oder QNAP sind die aktuellen Microserver nicht mehr.

Anlass genug, zu schauen was für Alternativen es in 2023 gibt. Folgende Anforderungen sollten erfüllt sein:

  1. min. 16 GB RAM
  2. 3 HDD Slots
  3. ausreichend CPU-Leistung, um TrueNAS zu verwenden
  4. möglichst geringer Stromverbrauch
  5. möglichst geringe Lautstärke, um das Gerät auch im Wohnzimmer betreiben zu können

CPUs für Homeserver – AMD & Intel

Herzstück eines jeden PCs oder auch Servers ist die CPU. Mit der Wahl der CPU entscheidet sich auch, welches Mainboard und ggf. welcher Arbeitsspeicher verwendet werden muss. Eine Herausforderung: die Kombination aus ECC-Support, möglichst geringem Stromverbrauch und einem guten Preis-/Leistungsverhältnis. Folgende Alternativen kristallisieren sich heraus:

AMD:

Intel:

Da AMD mit den Ryzen-CPUs ein deutlich besseres Preis-/Leistungsverhältnis bietet, werde ich mich für den Rest des Builds erst einmal darauf fokussieren. Einige Teile wie Gehäuse, Netzteil oder Festplatten sind dann eh auch wieder identisch, unabhängig von der gewählten CPU.

Mainboards für AMD Ryzen Pro

In einem Homeserver muss ein Mainboard nicht viele Erweiterungsslots bieten, sondern vor allem die CPU beherbergen und die Festplatten mit dem Netzwerk verbinden. Nachdem AMD-CPUs recht viel direkt integrieren, können die Mainboards recht einfach ausfallen und sind damit relativ günstig:

Will man mehr LAN-Ports (oder 2,5 GBit/s bzw. 10 GBit/s LAN) muss man dies über eine eigene PCI-Express-Karte nachrüsten. Mehr dazu im Abschnitt „Netzwerk“, wo ich darauf noch näher eingehe.

RAM mit ECC

Damit diese ECC genutzt werden kann, muss der Speichercontroller in der CPU es unterstützen. Darüber hinaus ist es notwendig, dass alle eingesetzten Arbeitsspeicher die ECC-Funktion besitzen, da die Funktion deaktiviert wird, wenn sie mit Non-ECC-Speichern kombiniert wird.

Für jede 8-Bit-Datenmenge wird ein zusätzliches Bit zur Paritätsprüfung während jeder Speicher- und Leseoperation mitgeführt. Die „Quersumme“ der 8-Bit-Daten wird immer protokolliert und überprüft. Der 64-Bit-Speicherbus wird dafür auf 72-Bit erweitert, was mehr Speicherzellen erfordert. Deshalb kann man einen ECC-Speicher auch an der Anzahl der DRAMs erkennen. Anstelle von 8, 16 oder 32 DRAMs werden 9, 18 oder 36 DRAMs benötigt. Mit den Prüfbits eines ECC DIMM Speichers können Datenfehler im Betrieb erkannt und korrigiert werden, um Abstürze oder Datenverluste zu verhindern.

Die Auswahl an passendem DDR4-Speicherkits mit ECC und mindestens 16 GB pro Modul ist leider reicht überschaubar, von Mushkin gibt es aber etwas passendes:

Festplatten für NAS-Betrieb

Bei den Festplatten ist es relativ egal was man nimmt, für klassische HDDs gibt es nicht mehr so viele verschiedene Hersteller wie vor einigen Jahren. Festplatten, die für Dauerbetrieb geeignet sind, sind meist mit entsprechenden Zusätzen in der versehen. Für dieses Setup gehe ich davon aus, dass die nutzbare Brutto-Kapazität bei Ausfallsicherheit für eine Festplatte mindestes 12 TB betragen soll, sodass vier Festplatten à 4 TB zum Einsatz kommen müssen:

Ob man verschiedene Festplatten-Typen miteinander mischt oder ob man die Festplatten mit einem gewissen zeitlichen Abstand bestellt ist mehr eine Frage, inwieweit man der Produktionsqualität vertraut – Serienfehler wie in es sie in der Vergangenheit gab sind seltener geworden, jedoch nicht ausgeschlossen.

Welche Speicherkapazität die richtige ist, hängt ein wenig vom Budget und den Anforderungen ab. Für meine Zwecke reichen seit langem 6 TB (4x 2 TB HDD), je nach der Menge von Urlaubs-Fotos und -Videos kann es aber Sinn ergeben, gleich mehr zu kaufen.

Gehäuse, Netzteil & Kühler

Kleine Gehäuse (mini-ITX) mit mindestens 4 Festplatten-Einschüben sind leider nicht sehr verbreitet. Will man sich die Suche nach einem passenden Netzteil sparen, bietet sich das SuperMicro Server Gehäuse 1U/1x350W/4x3 ab € 321,16 an, Alternativ kann man auch das Fractal Design Node 304 FD-CA-NODE-304- ab € 93,23 mit einem passenden Netzteil kombinieren (falls man zum Beispiel noch eins rumliegen hat, was ausreichend energieeffizient ist).

Die Ryzen-CPUs sind zwar energiesparend, komplett ohne Kühlung kommen sie jedoch nicht aus. Hier hängt es vom gewählten Gehäuse ab, welcher Kühler verwendet werden kann – meist ist die Höhe limitiert, sodass es schwer ist hier eine Empfehlung auszusprechen – ein recht flaches Modell gibt es aber von Noctua: Noctua NH-L9x65 ab € 32,00 . Auch bezüglich der Lüfter macht man mit den Produkten von Noctua nicht viel falsch, die gewöhnungsbedürftige Farbgebung spielt in einem geschlossenen Server weniger eine Rolle als die Performance und Lautstärke.

Netzwerk und Erweiterung

Wem die 1 GBit/s oder ein Netzwerk-Port nicht reichen, kann eine entsprechende Erweiterungskarte einbauen – schließlich haben die Mainboards trotz des kleinen Formfaktors zumindest einen freien Slot:

Zusammenfassung

Summiert man die Kosten der einzelnen Teile (Stand 17.06.2023: € 723,84) , die nötig sind um ein ähnliches System zusammenzustellen wie einen HP Microserver, kommt man auch auf einen ähnlichen Betrag – die Komponenten sind einfach teurer geworden. Vorteile eines Selbstbaus: gerade bei der CPU bekommt man modernere Technik und mehr Leistung, was für verschiedene Anwendungszwecke sinnvoll sein kann (z.B. wenn man Proxmox verwenden will).

Soll das Gerät wirklich nur als NAS verwendet werden, ist für viele Anwendungszwecke etwas von Synology oder QNAP eine Überlegung wert – oder die vorkonfigurierten Geräte von TrueNAS.

Zur Übersicht hier noch einmal alle Komponenten, die man für den Zusammenbau eines Potenten Heimservers oder NAS benötigt (jeweils nur eine Variante, aus diesen Teilen habe ich die Gesamtsumme berechnet):

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